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T.H.A.M.O.S.

Kartenbüro der Stiftung Mozarteum

Theatergasse 2, Mozart-Residence, 5020 Salzburg, Österreich

Tel:+43 (0) 662 87 31 54

Fax:+43 (0) 662 87 44 54

Camerata Salzburg

Salzburger Bachchor

Alondra de la Parra (Dirigentin)

Carlus Padrissa, La Fura dels Baus (Inszenierung)

René Pape (König Menes, Bass)

Fatma Said (Tharsis, Sopran)

Nutthaporn Thammathi (Thamos, Tenor)

Basierend auf Mozart „Thamos, König in Ägypten“ KV 345

In einer Bearbeitung von Carlus Padrissa, mit ausgewählten Arien, u. a. aus „Die Zauberflöte“ KV 620 und „Zaide“ KV 344

Neuproduktion der Stiftung Mozarteum Salzburg

La Fura dels Baus

Carlus Padrissa im Gespräch über die Neuproduktion T.H.A.M.O.S.

Herr Padrissa, was heißt eigentlich ‚La Fura dels Baus‘ genau? Manche übersetzen den Namen mit ‚Das Frettchen der Mülldeponie‘, andere mit ‚Kanalratten‘.

(Lacht) Suchen Sie es sich aus! Das werden wir oft gefragt und im Grunde wissen wir es selbst nicht mehr so genau. ,Fura‘ meint tatsächlich ein typisches katalanisches Nagetier. Und ,Els Baus‘ ist ein ausgetrockneter
Bach meines Heimatdorfes Moià, der in den 1970er-Jahren zur Müllhalde wurde. Fura steht aber auch für unser Programm, für unseren Furor, unsere Leidenschaft zu gestalten, unsere Wut, die wir immer freisetzen wollten, unsere Identität. Ich gebe zu, alles ist ein bisschen schräg und anders, aber so wollten wir immer sein.

Ihr ‚Mediterrani, Mar Olímpic‘ zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona machte La Fura dels Baus schlagartig berühmt…

…Ein magischer Moment, ein Rausch war das, live im Fernsehen vor 500 Millionen Menschen ausgestrahlt!

Alle rissen sich nun um Sie. Die Giganten Pepsi und Mercedes für Werbedeals, Regisseure wie Tom Tykwer für ‚Parfum‘, aber auch Modedesigner wie Issey Miyake, Dior oder Gaultier…

Und Gerard Mortier! Er entdeckte uns für Salzburg. 1999 kamen wir erstmals mit La Damnation de Faust von Hector Berlioz in die Felsenreitschule und hatten großen Erfolg.

Carlus Padrissa im Gespräch (Teil 2)

Dort werden Sie auch Mozarts ‚Thamos, König in Ägypten‘ inszenieren nach einem Schauspiel von Tobias Philipp Freiherr von Gebler.

Mich interessiert an Thamos der Optimismus Mozarts, der Optimismus des auf geklärten Menschen, der daran glaubt, dass sich der Mensch entwickelt. Die französische Revolution war spürbar, lag um 1773 praktisch in der Luft, als der junge, erst 17-jährige Mozart die Bühnenmusik zu diesem Theaterstück schreibt. Mozart ist für mich ein Mann der Aufklärung.

Geblers heroisches Drama in fünf Akten spielt an einem Tag in…

…Heliopolis, der Sonnenstadt, 3000 v. Chr. Geblers Drama ist ein politisches Stück, hat aber auch die üblichen Ingredienzien wie Intrigen, Liebe und Mord. Thamos ist kein normaler Thronfolger im historisch-dynastischen oder feudalistischen, sondern ein designierter Amtsnachfolger fast schon im ‚demokratischen‘ Sinn – wenn man so will. Als Priester übernimmt Thamos die Macht nicht, weil sie ihm als Sohn und Erbe des Königs Menes zusteht, sondern weil sie ihm wegen seiner Weisheit und seinem Können zugeschrieben wird. Das ist für mich der entscheidende Punkt, der den Fortschritt der Menschheit zeigt.

Wie werden Sie die Geschichte auf der Bühne umsetzen?

In unserem T.H.A.M.O.S. werden wir so tun, als lebten wir 3000 Jahre v. Chr. in Heliopolis, aber mit der heutigen Technologie. Mit dem Laser werden wir eine unterirdische Pyramide simulieren, so dass die Zuschauer das Gefühl haben, sie seien im Inneren der Erde. Die Felsenreitschule, die ja halb aus Stein ist, ist der ideale Raum für meine Inszenierung. Der Felsen wird das Innere der Pyramide darstellen. Blickt das Publikum nach oben, wird es das Schweizer Matterhorn sehen, sozusagen unsere europäische Pyramide.

Also keine Unterwasseraktionen oder Blut-Tsunamis, wie in Ihrer Inszenierung von ‚Elektra‘, wo Sie 2.000 Liter Kunstblut auf die Bühne strömen ließen?

Ganz ohne Blut kommen wir nicht aus. Das liegt nun mal in unserer La Fura-DNA. Der mutierende, sich entwickelnde Mensch braucht ja frisches Blut – deshalb gibt es Bluttransfusionen. Und auch bemalte Körper wird es geben. Doch gefährlich wird es nicht. Haben Sie gesehen, welch großartiges Ensemble Rolando Villazón gecastet hat? Die Dirigentin Alon dra de La Parra stammt aus Mexiko, Fatma Said, unsere Tharsis, stammt aus Ägypten. Thamos wird durch Nutthaporn Thammathi, einem Tenor aus Thailand, dargestellt und René Pape, Star-Bass aus Deutschland, spielt den König Menes. Fast alle kommen aus Ländern mit Pyramiden oder Tempeln.

„dieses Stück ist hier“, schrieb Mozart am 15. Februar 1783 an seinen Vater, „weil es nicht gefiel, unter die verworfenen Stücke; welche nicht mehr aufgeführt werden.“

Wir dichten jetzt neues Theater dazu! Wir haben ein kleines Drehbuch entwickelt, das parallel zu dem originalen Theaterstück laufen wird.

Außerdem fand Mozart „es müsste nur blos der Musick wegen aufgeführt werden.“ Bis heute ist allerdings Mozarts ‚Thamos‘-Schauspielmusik kaum bekannt.

Dabei hat sie interessante Chorszenen, Zwischenaktmusiken und Instrumentalstücke…

… von denen manche ‚zweckentfremdet’ und mit lateinischen Texten unterlegt zu liturgischen Anlässen aufgeführt wurden.

Ja, das stimmt. In jedem Fall ist Mozarts Musik mit 45 Minuten für einen Theaterabend zu kurz. Es ging darum, die Musik um eine halbe Stunde zu erweitern, um eine bühnentaugliche Länge zu erreichen. Als Erstes griffen wir auf Mozarts eigene Musik zurück. Die Solisten werden Arien aus Zaide KV 344 und der Zauberflöte KV 620 singen. Die Zauberflöte ist das ‚Hohelied‘ der Freimaurerei, die großen Einfluss auf Mozarts Denken und Fühlen hatte – mit ihren Idealen einer humanistischen, toleranten, gleichberechtigten Gesellschaft, den Idealen der Aufklärung. Wir kombinieren diese Ideale mit dem Algorithmus, dem zentralen Begriff der heutigen Menschheit.

Wie meinen Sie das?

Der Algorithmus ist die künstliche Intelligenz. Er bestimmt die Entscheidungen und die Entwicklung des heutigen Menschen. Und wir setzen ihn in Musik um. Zwischen Mozarts Schauspielmusik schalten wir kleine ‚Musiken‘ ein – oft ist es auch nur ein Geräusch von ein paar Sekunden Dauer – und unterlegen sie mit unseren Texten. Diese ‚Musiken‘ werden elektronisch produziert, sie entstehen praktisch durch die atmosphärischen Bedingungen des Raums: die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und noch andere Parameter. Ein Computer erfasst diese und produziert daraus kurze Intermezzi, die sich, je nach Publikum, immer wieder verändern werden, sodass jede Aufführung anders ist.