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Bedeutender Mozart-Fund in Paris mit Expertise der Internationalen Stiftung Mozarteum verifiziert: Mozarts Kompositionsunterricht erscheint damit in neuem Licht

Die Bibliothèque nationale de France in Paris vermeldet den bedeutendsten Mozart-Fund in Frankreich in diesem Jahrhundert. Der leitende Bibliotheksmitarbeiter François-Pierre Goy konnte ein Notenheft aus dem historischen Altbestand als die originalen Unterrichtsmaterialien Mozarts für Marie-Louise-Philippine de Bonnières de Guînes (1759–1795) identifizieren. Dieser Unterricht war bislang nur durch Briefe Wolfgang Amadé Mozarts an seinen Vater aus Paris vom Frühsommer 1778 dokumentiert. Am 14. Mai 1778 schrieb er beispielsweise begeistert: „Ich habe ihnen schon im lezten brief geschrieben, das der Duc de guines, dessen Tochter meine scolarin in der Composition ist, unvergleichlich die flöte spiellt, und sie magnifique die Harpfe; sie hat sehr viell Talent, und genie, besonders ein unvergleichliches gedächtnüß“.

 

Zum Zeitpunkt des Unterrichts war die junge Herzogin 19 Jahre alt und bereits eine virtuose Harfenistin. Ihr Vater, Adrien-Louis de Bonnières, Duc de Guînes, und Mozart hegten Hoffnungen, sie auch zur Komponistin auszubilden, doch musste Mozart rasch erkennen, dass ihr nicht nur die Übung fehlte. Das umfangreiche Konvolut enthält zunächst typisches Unterrichtsmaterial wie Studien im mehrstimmigen Satz, schreitet aber rasch zu Übungstücken im freien Satz fort. Von herausragendem Interesse sind einige bislang unbekannte kleinere Kompositionen Mozarts für Harfe sowie für Flöte und Harfe.

Armin Brinzing, Leiter der Bibliotheca Mozartiana der Internationalen Stiftung Mozarteum, wurde von der Bibliothèque nationale de France als Experte bei der Identifizierung herangezogen: „Ich war völlig überrascht, als ich diese einzigartigen Studien gesehen habe, die ohne jeden Zweifel Mozarts eigene Handschrift zeigen. Dies wirft ein völlig neues Licht auf Mozarts Unterrichtsmethoden. Besonders interessant ist es, in der Handschrift die hohen künstlerischen Maßstäbe des Lehrers nachzuvollziehen: Wiederholt überarbeitete er ihm allzu dürftig erscheinende Entwürfe seiner Schülerin und entwickelte daraus eigene kompositorische Fassungen.“

 

Die Internationale Stiftung Mozarteum gratuliert herzlich zu dieser sensationellen Entdeckung und hat François-Pierre Goy eingeladen, diesen wichtigen Fund im Herbst auch in Salzburg vorzustellen. Eine Faksimileausgabe mit Übertragung und Kommentar sind geplant. Es handelt sich um den ersten Zuwachs, der im 2024 erschienenen Köchel-Verzeichnis neu verzeichnet werden müsste: Die „Unterrichtsmaterialien für Marie-Louise-Philippine de Bonnières de Guînes“ müssten, so Ulrich Leisinger, der wissenschaftliche Leiter der Stiftung Mozarteum, in den Anhang neu als „KV Anh. H 1, Nr. 5“ aufgenommen werden.

 

Bibliothèque nationale de France zum Mozart-Fund: Discovery of an unpublished autograph manuscript by Mozart in the BnF Music Department

ORF-Bericht zum Mozart-Fund: Jahrhundertfund um Mozart in Paris

The New York Times zum Mozart-Fund: Here’s What ‘the Most Important Mozart Discovery in Decades’ Sounds Like